(NW/Rohlfing)
Rahden. An Fantasie mangelt es Fünft- bis Siebtklässlern in Rahden nicht. Bemerkenswerte Leistungen lieferten nämlich rund 170 Schüler bei einem Schreibwettbewerb ab, zu dem unter dem Motto „Der Fantasie Flügel verleihen“ der Rahdener Kulturverein „Kul-Tür“ und die Stadtsparkasse Rahden aufgerufen hatten. In der Stadtbücherei wurden jetzt die sechs Preisträger geehrt und die ausgewählten Geschichten rund um das orangefarbige Fabelwesen durch die Nachwuchsautoren vorgelesen.
„Es sind tolle Geschichten dabei“, freut sich Initiatorin und Kul-Tür-Vorsitzende Monika Büntemeyer, die ebenso zur Jury gehörte wie der Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Hartmut Jork, die Büchereileiterin Andrea Al Saydali und die Deutschlehrerin und Konrektorin der Realschule Margarete Kaiser. Grundlage des Schreibwettbewerbs war ein Bild der Künstlerin Astrid Heitmann, das noch bis Ende Juli in einer Ausstellung in der Stadtsparkasse zu sehen ist.
Als unangefochtene Siegerin kürte die Jury Anna Heim (Klasse 7d, Realschule) für ihre nachdenklichen Erzählung „Das wahre Ich“. „In Dramaturgie und Sprache eine ganz außergewöhnliche Leistung“, stellt Hartmut Jork heraus. „Das Anderssein zu beschreiben, haben auch andere versucht. Hier kommt das Besonderssein zum Ausdruck“, lobt Monika Büntemeyer. Aus der Ich-Perspektive erzählt Anna Heim von einem Wesen, das anders ist als jene, die im Wald oder im Tal lebten. Es ernährt sich anders, ist zu schwach zum Fliegen und wird schließlich auch von der Mutter verlassen. Tapfer kämpft das Wesen ums Überleben und kann schließlich seinen Wunsch verwirklichen, ein Adler zu werden. Doch als es merkte, dass es bald sterben würde, überkamen es Zweifel: „Dieser Körper war nicht ich, das war jemand anderes.“
Über Platz zwei konnte sich Jan Detering (Klasse 7a, Realschule) für seine lustige, aber auch mit tieferem Sinn erdachte Geschichte „Petry von Fliegerdings rettet die Vögel“ freuen. Petry, ein netter, gutmütiger und sehr neugieriger Vogel, lebt allein mit der großen Kirchturmglocke Thomas in Rahdener Kirchturmspitze. Als es durch Giftmüll verseuchte Insekten immer weniger Vögel über Rahden gibt, hat Petry eine Idee.
Beeindruckt hat die Jury auch der poetische Text mit Happy End von Lena Vullriede (Klasse 7c, Gymnasium). Für „Die Reise mit dem Mond“ vergaben die Juroren ebenfalls einen zweiten Platz. Im Sumara-Wald lebt ein einsamer Kilimäen-Paradiesvogel. Er ist den anderen suspekt und hat als einziger noch keinen Partner gefunden. Um glücklich zu werden, muss er eine Prophezeiung erfüllen.
Sieger bei den Fünftklässlern wurde Ludwig Winkelmann (Klasse 5a, Realschule) mit seiner Geschichte „Die neue Vogelart“. Ein fliegendes Wesen sorgt am Wiehengebirge für allerlei Turbulenzen. Der Wald wird abgesperrt, Schulen und Firmen geschlossen, nur Bruno, ein achtjähriger Junge hat von all dem nichts mitbekommen. Auch auf Platz eins sah die Jury den Text „Mit Flügeln um die halbe Welt“ von Emma Henriette Hoppe (Klasse 5b, Gymnasium). Eine seltsame Kreatur, wie ein Gemisch aus Luft, Wasser, Erde, gut und böse, zahm und wild, die sich dann als Kurt vorstellt, nimmt die Ich-Erzählerin mit auf eine wunderschöne Reise. Ein zweiter Platz bei den Fünfklässlern ging an Fabian Reyl (Klasse 5a, Realschule) für „Die Gefangenschaft“. Ein Vogel, der etwas anders war als andere, mit einem Kopf wie ein Flugsaurier und einem Schwanz zusammengerollt wie ein Schneckenhaus, gerät mit anderen Tieren in die Hände von Tierfängern. Gemeinsam suchen sie nach einer Chance zu entkommen.
Nachdem Monika Büntemeyer zu Beginn Zweifel hatte, ob überhaupt jemand Lust habe, freiwillig an dem Wettbewerb teilzunehmen, hat das Ergebnis die Jury vor eine ziemliche Herausforderung gestellt. Mit 140 Einsendungen war die Realschule am stärksten vertreten. Jungen und Mädchen haben sich fast gleichwertig beteiligt. Die tolle Resonanz hat Hartmut Jork veranlasst, die zur Verfügung gestellten Preise zu verdoppeln. Freuen durften sich die Preisträger über Gutscheine für eine Sparkassen-Club-Fahrt zum Heidepark Soltau und Kinoeintrittskarten.
Autorin und Illustratorin in einer Person
Durch ihr eigenes Bild zu einer Geschichte inspirieren lassen, hat sich auch die Künstlerin Astrid Heitmann. Anlässlich der Preisverleihung des Schreibwettbewerbs berichtete sie, wie Bild und Kinderbuch entstanden sind. Aus einer gedankenlosen Kritzelei am Computer sei beginnend aus einer Spirale durch das Hinzufügen von Schnabel und Flügeln ein vogelähnliches Wesen gewachsen. „Das sah interessant aus, deshalb habe ich es abgespeichert, nach Jahren wieder hervorgeholt und ihm Farbe gegeben“, erzählt die gebürtige Rahdenerin. Aus den Überlegungen, was das Wesen kann, sei nach und nach eine zusammenhängende Geschichte für das Kinderbuch „Der Lichtsurfer“ entstanden.
Text und Foto: Sonja Rohlfing

Nur erste und zweite Plätze: Talent als Nachwuchsautoren beweisen Anna Heim, Lena Vullriede, Ludwig Winkelmann, Jan Detering, Emma Henriette Hoppe und Fabian Reyl (v.l.). Inspiriert zu ihren Geschichten hat sie das Bild der Künstlerin Astrid Heitmann (r.)